Weihnachtsbrief

Im letzten Jahr konnten wir noch mit unseren offenen Kursen auf den Weihnachtsmarkt gehen und haben eine schöne gemeinsame Zeit verbracht. In diesem Jahr ist das undenkbar. Trotzdem versuchen wir Kontakte zu halten und Gemeinschaft zu pflegen.

In diesem Jahr sind wir besonders herausgefordert darüber nachzudenken, was uns wichtig ist. Viele Einschränkungen, vor allem in den persönlichen Kontakten miteinander, lassen uns umdenken und Prioritäten neu setzen.

Mit wem kann ich mich treffen, wen möchte ich besonders schützen und wie kann ich Kontakt pflegen ohne physische Begegnung? Diese Fragen haben auch unsere Arbeit im Studienhaus geprägt: Unser Hauptschulprojekt haben wir in zwei kleine Gruppen geteilt und führen elf Schülerinnen im Dezember und Januar in die Prüfungen. Das war nur möglich mit viel Engagement aller Beteiligten. Auch Einzelbegleitungen und Nachhilfe-stunden waren möglich. Aber nur wenige Gruppenprojekte, keine Feste und keine offenen Veranstaltungen konnten wir seit März umsetzen.

Längst hat die Adventszeit begonnen und wirft Fragen auf: Wie wollen wir in diesem Jahr den Advent besinnlich gestalten? Erleben wir die Zeit mit uns selbst, ohne Gesellschaft anderer, als Geschenk oder als Last? Mit was fühlen wir uns noch beschenkt? Welche Wünsche haben wir für die Advents- und Weihnachtszeit? Wem kann ich heute eine Freude machen?

Die Botschaft von Weihnachten bleibt unverändert, ganz gleich wie wir es begehen und was wir tun. Denn wir wurden beschenkt durch die Geburt eines Kindes, das unser Heil wurde.

Ich möchte Ihnen in diesem Jahr einige Gedanken und Erfahrungen näherbringen, die sich eine engagierte Zustifterin der Plansecur Stiftung gemacht hat. Ihr Bericht hat mich angeregt, auch über meine Wünsche und Geschenke nachzudenken.

"Ich bin Ingrid, 78 Jahre alt und lebe allein in meiner Wohnung. Gerade zu Weihnachten gehen mir viele Gedanken durch den Kopf und jedes Jahr stelle ich auch in meinem Umkreis fest, dass die Menschen sich in Vorbereitung auf das Weihnachtsfest sehr intensiv mit dem Thema „Geschenke“ beschäftigen!

Ende November/Anfang Dezember mit Beginn der Adventszeit taucht unweigerlich die Frage auf: Was schenke ich wem zu Weihnachten? Wir wissen es dann oft nicht und fangen an, uns den Kopf zu zerbrechen... Gerade wenn die, die wir beschenken wollen, in fortgeschrittenem Alter sind wie ich, ist das wirklich schwer, denn wenn wir dann auch noch nachfragen, bekommen wir meistens die Antwort: „Ich habe wirklich alles!“, „Ich brauche nichts“.

Meine Mutter sagte dann immer: „Die Liebe und Treue fürs nächste Jahr“ und dann habe ich immer etwas nachsichtig-gequält gelächelt und gesagt: „Ach, Mutti“! Aber wenn ich es jetzt, wo sie selbst schon lange tot ist, recht bedenke: Ist das nicht wirklich das schönste Geschenk, das wir uns machen können: Liebe, Zusammengehörigkeitsgefühl und Verbundenheit, auf die wir uns verlassen können?

Und für die Christen ist Weihnachten tatsächlich zuallererst das Fest der Liebe, weil Gott sie mit der Geburt Christi beschenkte. Und für die meisten Paare, die heute Eltern werden, gehört die Geburt ihres Kindes als Zeichen ihrer Liebe zu den schönsten Geschenken ihres Lebens. Wir selbst sind also zunächst ein Geschenk für andere. Kleine Kinder genießen es dann, selbst möglichst viele Geschenke zu bekommen. Ich erinnere mich an eine Situation in der Kindertagesstätte als ich dort einmal die Weihnachtsgeschichte vorlas und der etwa 4-jährige Robert danach tief aufseufzte und sagte: „Da bin ich aber froh, dass ich nach dem Jesus geboren wurde!“. Auf meine erstaunte Frage „Warum das denn?“ antwortete er: “Na, sonst würde ich Weihnachten doch keine Geschenke kriegen!“.

Das ändert sich dann aber auch bei Kindern schon bald, wenn sie selbst etwas basteln oder malen können. Dann sind sie so stolz darauf, dass sie die Geschenkübergabe kaum erwarten können, und es ihnen schwerfällt, ihr Geschenk nicht vorher zu verraten, weil sie sich selbst so auf die Anerkennung und Freude des anderen freuen. Auch später freuen wir uns natürlich, wenn wir beschenkt werden, aber auch wir möchten vor allem den anderen, als Zeichen unseres Gedenkens, unserer Verbundenheit und Zugehörigkeit, ein ganz besonderes Geschenk machen. Und wenn es uns gelingt, damit wirklich unsere ganz persönliche Nähe und Vertrautheit mit der Situation und den Wünschen des anderen auszudrücken, dann ist die Freude bei Schenkendem und Beschenktem gleich groß."

Welche Ideen haben Sie, wenn Sie diesen Text lesen? Wem würden Sie gerne eine Freude machen? Ich schaue dankbar zurück, auf das was möglich war, auf alle neuen Erfahrungen und auf die persönlichen Begegnungen. Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung und Ihr Interesse an unserer Arbeit. Ich hoffe, Sie sind gut bis hierher-gekommen. Nun wünsche ich Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit, Zeit auf das zurückliegende Jahr zu schauen, Bilanz zu ziehen, Kraft zu tanken und gestärkt ins neue Jahr aufzubrechen. Bleiben Sie gesund!

In diesem Sinne grüßt Sie und Ihre Lieben ganz herzlich

Ihre Plansecur Stiftung

 
 
 
 

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